Pfingsten fährt man in Bimbach! Mal wieder.

Das Motto ist klar – „Pfingsten fährt man Bimbach!“ – und wenn nichts dazwischen kommt halte ich mich daran. Inzwischen muss man echt schnell sein, um einen der bergehrten Marathonstartplätze zu ergattern. Schon wenige Stunden nach der Freischaltung der Anmeldung sind die Plätze nämlich weg. So saß ich, quasi mit dem Finger am Abzug (bzw. auf der rechten Maustaste), am PC und sicherte Diane und mir zwei Plätze. Diane wollte auf die 180er-Schleife und ich wollte mich an der „Extrem“-Variante mit 258 Kilometer und 4.700 Höhenmetern versuchen.
Leider fiel Diane wegen einer Schulter-OP im Vorfeld aus, aber es war klar, das ich fahren würde. Kurz überlegte sie noch im Vorfeld, eine der kurzen Strecken zu fahren, aber ein Test zeigte schnell, dass sie noch nicht so weit ist. Mit nach Bimbach wollte sie aber doch, eventuell etwas wandern in der Rhön.
Die Jahre vorher residierten wir in Bad Salzschlirf. Heuer wollten wir bei gutem Wetter eventuell in Bimbach zelten. Ich war mir nicht sicher, ob das ein guter Plan war – immerhin lagen meine letzten Zelt-Aktionen schon ein paar Jährchen zurück und fanden immer im Rahmen ziemlich ausschweifender Festival-Besuche statt… 😉
Die andere Möglichkeit wäre gewesen, zu Hause zu schlafen, um 3 Uhr aufstehen, um 3.30 Uhr losfahren, 5.30 Uhr Startunterlagen hohlen und pünktlich um 6 Uhr zu starten.
Wir entschieden uns wegen mangelnder Zeltpraxis und dem nicht ganz so optimalem Wetter (Samstagabend und -nacht Unwetter in Großenlüder) für die Heimschläfer-Variante. Ein gute Entscheidung.
Überhaupt das Wetter – das war so eine Sache. Ich fuhr den Marathon schon bei fast 40°C, aber auch bei einstelligen Temperaturen und Regen. Was würde mich dieses Jahr erwarten?
Die Vorhersagen waren nicht so gut. Regen, auch etwas stärker, zumindest bis 9, 10 Uhr. So regnete es auch, als wir kurz nach halb vier ins Auto stiegen und in Richtung Rhön aufbrachen. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Regen wurde nicht weniger, aber ich habe in den letzten 10 Jahren gelernt, dass man nicht aus Zucker ist und das Regen nur Wasser ist. Also holte ich wie geplant meine Startnummer, pinnte sie an mein Trikot, steckte die Stempelkarte ins Trikot und stellte mich um kurz vor 6 Uhr an den Start – und in den Regen. Zum Glück war es nicht so kalt. Mein Garmin zeigte  15°C an. Am Start war deutlich weniger los als die Jahre vorher.

Verhalten fuhr das kleine Feld hinter dem Startauto her. Die Straßen standen teilweise unter Wasser und die Sicht war wegen des Wassers auf der Brille auch nicht besonders gut. Da es allen so ging, war das Tempo zu beginn nicht gleich so hoch. Dennoch stand ein 30er Schnitt auf meinem Tacho, als ich zum ersten Verpflegungs- und Kontrollpunkt in Welkers kam. Ich hatte eine gute Gruppe erwischt und bis dahin stellten sich uns auch nicht viele Höhenmeter in den Weg. In Welkers zog ich dann mal die völlig durchnässten Handschuhe von den welken Fingern und flößte mir einen heißen Tee ein. Das tat gut. Natürlich war die Gruppe nach der Pause zerfallen. Das war aber egal, da es jetzt eh in die „Berge“ ging. Dabei stellte ich wieder einmal fest, dass der barometrische Höhenmeter von meinem Garmin bei Regen völlig versagte. Scheinbar funktioniert die Membran nicht, wenn sich Wasser darauf befindet. Beim 510er ist das kein Problem. So was kann mich ja nerven, vor allem, weil ich dann nicht weiß, was im weiteren Verlauf noch an Höhenmetern auf mich zukommen wird. Aber ich blendet das technische Problem aus. Kurz nach Welkers kam schon der erste Scharfrichter der Extrem-Runde: Die 18%-Rampe auf die Ebersburg. Wetter und 3-4 Kilo zu viel auf den Rippen verhinderten eine neue persönliche Bestzeit auf dem Strava-Segment. Dank des Rückenwindes war die Zeit aber doch nicht so schlecht und ich überholte ein paar andere Marathonisti.

Bei der darauf folgenden echten ersten Abfahrt war schnell klar, das wird heute nichts mit einer sehr guten Zeit. Bei diesen Bedingungen würde ich es nicht schaffen, unter 10 Stunden zu bleiben, was eigentlich mein Plan war.

Von Poppenhausen ging es nun hinauf zur Wasserkuppe. Da ich nun eh nicht mehr auf „Bestzeit“ fuhr, konnte ich einem anderen Radler helfen, der am Straßenrand stand und bisher wohl erfolglos die passierenden Teilnehmer nach einer Luftpumpe fragte. Seltsam, niemand vor mir hielt an. Komisch, hatte da wirklich keiner eine Pumpe dabei? Oder fuhren sie alle auf „Sieg“ und konnten sich die paar Minuten zusätzlich nicht leisten? Oder war doch der Regen und die frischen Temperaturen Schuld? Mir tat der Kerl leid und ich hielt an. Mit meiner Kombipumpe (Kartusche/Pumpe) war die Panne bald behoben und ich setzte meine Fahrt fort. Der Andere bestimmt auch gleich, nachdem er das Rad wieder eingebaut hatte. So lange wollte ich dann aber doch nicht warten. Kurz darauf kam mir der Pannenservice der Organisatoren entgegen. Der Plattfuß wäre auch so sicherlich schnell behoben worden…

Auf dem Weg zur Wasserkuppe wurde mir endlich wieder warm. Der Regen hielt aber an. Dazu kam nun noch Nebel und ein relativ starker Wind. Na toll.

Trotz der widrigen Bedingungen verrichteten die Fotografen von rtf-fotos.de tapfer ihren Job. Ein großes Lob dafür an dieser Stelle.

Nach der zittrigen Abfahrt nach Wüstensachsen folgte die nächste längere Auffahrt. Und zwar auf die Hohe Rhön. Ein wirklich schöner Streckenabschnitt – bei schönem Wetter. Heute fegten Wind und Regen über die Hochebene und verhinderten so größeren Fahrspaß. Der wollte auch nicht bei der Abfahrt nach Bischofsheim aufkommen. Wasser, Schotter, Äste und ähnlicher Unrat von Regen und Starkwind auf die Straße verbracht bereiteten mir Krämpfe in den Händen. Bei diesen Bedingungen konnte ich es einfach nicht laufen lassen. Anderen schien das weniger auszumachen und sie überholten mich in einem Affenzahn. Irgendwann war ich endlich unten in Bischofsheim. Hier wartete der zweite Kontrollpunkt auf uns. Die Verpflegung hier war, wie bei allen anderen Verpflegungsstellen, vorbildlich. Ich war mit Diane verabredet, die schon länger als geplant auf mich wartete – ich hing bereits hinter meinem Zeitplan. Eigentlich war ab 9 Uhr Wetterbesserung vorhergesagt und ich wollte eventuell meine Regenjacke, langen Handschuhe und Überschuhe abgeben. Das Wetter besserte sich etwas, aber ich wollte meine Kleidung noch nicht abgeben. Die Pause fiel länger aus als geplant – zu verlockend war die Kuchentheke. Dazu wurde noch Kaffee gereicht – perfekt! Schließlich setzte ich mich wieder auf das Rad und fuhr weiter. Mit meiner Frau verabredete ich mich für den nächsten Kontrollpunkt, vielleicht würde ich mich ja dann meiner dann hoffentlich überflüssigen Regenbekleidung entledigen können.

Der Regen ließ nun nach, dafür frischte der Wind weiter auf. Gefühlt hatte ich ab jetzt nur noch Gegenwind. Mit etwas Glück und Anstrengung konnte ich zu einer kleinen Gruppe auffahren, die ganz gut Druck machte und ich konnte im Windschatten bis zum nächsten Anstieg – wieder auf die Hochrhönstraße – bleiben. War schon der Anstieg windig musste ich auf dem kurzen Flachstück und der Abfahrt nach Fladungen höchste Konzentration wallten lassen und den Lenker gut festhalten. Auch andere Mitfahrer fluchten ob der miserablen Bedingungen.

Endlich erreichte ich die Kontrolle in Fladungen. Diane wartete schon auf mich. Ich freute mich sehr, sie zu sehen. Das gab mir wieder etwas Zuversicht. Vor allem weil sie sagte, dass in keinem Gesicht der hier Ankommenden so etwas wie Spaß oder Freude zu sehen war. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ich holte mir meinem Stempel und stopfte auf dem Weg dorthin alles in mich rein, was ich in die Hände bekam. Besonders genial: Ein Becher heiße Brühe! Warme Elektrolyte – super! Auf den Teller Nudeln mit Soße verzichtete ich wie immer – das dauert mir zu lange und bei so einer Strapaze mag ich zwischendurch kein richtiges Essen.

Der nächste Treffpunkt wurde für den nächsten Kontrollpunkt verabredet. In Kaltenlengsfeld wurde ich endlich meine Regenklamotten los. Das Wetter wurde nun richtig schön. Nur der leidige Wind blieb. 160 Kilometer hatte ich bereits in den Beinen. Es sollten noch 100 folgen. Gut, noch 4 Stunden kämpfen, dann wäre auch dieser Rhön Radmarathon geschafft.

Ich beschloss, es locker anzugehen. Eine neue Bestzeit würde ich eh nicht mehr schaffen, zumal die Streckenführung für mich auch neu war. Bei Frankenheim überschritten wir, die Marathonisti, ein letztes mal die 800-Meter-Höhenmarke. Doch auch die weniger hohen Hügel gegen Ende der Strecke taten noch einmal so richtig weh. Zweimal machte ich noch eine kurze Pause, an den Kontrollpunkten in Morles und in Magretenhaun. Die Standzeit fiel nun kürzer aus, da ich Diane erst wieder im Ziel treffen würde. Sie wollte noch etwas von dem Tag haben und ging auf der Wasserkuppe spazieren.
Bis kurz vor Fulda kämpfte ich alleine, ab da fand sich wieder eine kleine Gruppe mit einem starken Fahrer an der Spitze zusammen. Er brachte noch richtig Kraft aufs Pedal und ich konnte mich gerade noch so im Windschatten halten. Endlich kam die letzte Abfahrt in Bimbach und die letzten Höhenmeter ins Ziel.
Geschafft! 🙂

Kurz vor 17.30 rollte ich durch den roten Zielbogen. Diane wartete schon auf mich. Ich lag gut 1,5h hinter meiner heimlich angepeilten Zeit aber angesichts der widrigen Umstände war ich mit dem Ergebnis dann doch ganz zufrieden.

Während der Regeneration bei Bratwurst und alkoholfreiem Weizenbier trafen wir noch zwei aus dem Wellness & Bike – Team, die erfolgreich die Basic-Runde absolviert hatten. Nach einem Plausch und weiteren Erfrischungsgetränken fuhr mich meine liebe Frau nach Hause. Danke dafür und den Support auf der Strecke. Irgendwann revanchiere ich mich. 😉

Fazit: Bimbach ist super und sicher eine der am Besten organisierten Radmarathon-Veranstaltungen bei denen ich bisher mitfuhr. Es ist mir jedes Mal wieder eine besondere Freude.
Die Bedingungen waren dieses Jahr sehr hart und ich war sicher nicht ganz so fit wie bei meinen zwei letzten Teilnahmen. Dafür schleppte ich 3-4 Kilo mehr als sonst mit mir herum. Aber gut, so ist es nun mal. 😉
Bruttozeit: 11h21min
Nettozeit: 10h12min
Da ist noch Luft nach oben. 2018 muss ich aus terminlichen Gründen pausieren, vielleicht gehe ich 2019 eine Zeitverbesserung an…

Etwas beruhigter gehe ich nun mein großes Ziel für heuer an: Die erfolgreiche Teilnahme bei Rhön 300. Für diese Strecke besteht ein zeitliches Limit von 13 Stunden – das will ich schaffen!

Keep on cycling!

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