Arlberg Giro

Eine Woche nach dem Hohler Buckel stand das eigentliche Saison-Highlight auf dem Programm: Der Arlberg Giro.
Von den reinen Daten her sicher kein Schwergewicht in der Alpen-Marathon-Szene. Aber er passte in unseren Terminkalender und er wäre sicher auch für Diane gut zu meistern gewesen. Allerdings kam bei ihr eine Schulter-OP dazwischen, die ihr die Saison verhagelte.
Nach St. Anton reisten wir trotzdem zu zweit an, da wir die Kinderbetreuung nun schon mal organsiert hatten.
Wir residierten im Nassereinerhof, den wir bereits von einem Kurzaufenthalt 2012 kannten. Damals endete in St. Anton die erste Etappe unserer Version der Albrechtroute.


Die Aussicht von unserem Hotelzimmer.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, gingen wir die Startunterlagen und das Finisher-Trikot holen, dass es schon vor dem Start gab. 😉

Diane holte ebenfalls ihre Unterlagen, um die Startnummer dann am nächsten Tag als DNS abzugeben.

Nach der Pasta-Party, bei der ich noch einen Bekannten von der Maratona 2014 traf, schauten wir kurz dem Stadtkriterium zu, welches zu den schnellsten von Österreich zählt. Die Profis rasten in einem imposanten Tempo über den teilweise sehr engen und verwinkelten Kurs – immer am Anschlag.

Das Pacecar – wow, was für eine Kiste!

Dann kehrten wir ins Hotel zurück. Ich bereitete meinen Krempel für den nächsten Morgen vor, um nicht zu viel Lärm zu machen. Nebenbei beobachtete ich noch eine Bergrettung vom Balkon aus.

Am frühen Abend war ein Gewitter aufgezogen und ein paar Wanderer kamen wohl nicht mehr rechtzeitig vom Berg herunter. Es war aber nichts Schlimmes passiert, da alle Beteiligten aus eigener Kraft den Hubschrauberlandeplatz verließen und auch kein Rettungswagen vor Ort war.

Wir nahmen das Abendessen im Hotel ein und gingen früh zu Bett. Ich schlief sehr unruhig und benötigte, wie eigentlich immer in solchen Situationen, keinen Wecker. Kurz vor 5 Uhr saß ich in voller Montur am Frühstückstisch.

Die Wettervorhersagen waren eigentlich ganz gut. Trocken und frische 14°C im Tal am Morgen. Im weiteren Verlauf sollten die Temperaturen dann bis auf 25°C ansteigen.
Ich entschied mich für einen kurze Hose, kurzes Trikot mit Armlingen, Unterhemd und Windweste. Und dünne Langfingerhandschuhe. Eine sehr gute Wahl wie sich bald zeigte…

Kurz vor 6 Uhr stand ich im zweiten Startblock. Ich war erstaunlich ruhig, wie mir mein Puls anzeigte. Ich war mir sicher, die Strecke zu schaffen, nur die Zeit war fraglich. Irgendwas zwischen 5,5 und 6 Stunden wollte ich schaffen.

Kurz nach 6 rollte der zweite Block dann los. Gleich nach wenigen Kilometern ging es richtig zur Sache – der Anstieg auf den Arlbergpass. Ich fand mein Tempo und versuchte auf dem bis zu 15% steilen Anstieg nicht zu überziehen. Gut 500 Höhenmeter überwand ich so. Kurz vor der Passhöhe fuhren wir in einen Tunnel und beim rausfahren: REGEN! So eine Sch…..!!! Ich fluchte laut. Denn es folgte die Abfahrt und ich hasse nichts mehr als eine kalte Abfahrt im Gebirge bei Regen…
Erstaunlicherweise verlief die Abfahrt aber besser als erwartet und kurz vor Bludenz hörte der Regen auf.
Dann begann der Anstieg zur Bielerhöhe über die Silvretta-Hochalpenstraße – landschaftlich ein Traum und sportlich fordernd.

Auch hier zog ich mein Tempo durch und merkte, dass ich gut unterwegs war. Auf der Passhöhe wartete die zweite Verpflegung auf uns Teilnehmer. Hier füllte ich, nachdem ich die erste Verpflegung ausgelassen hatte, meine zwei Bidons auf und stopfte mir was Festes zwischen die Zähne – bloß keine Zeit verlieren. Die Abfahrt von der Passhöhe machte dann richtig Spaß – so langsam finde ich tatsächlich Gefallen am Abfahren.


Mit vollen Backen in die Abfahrt… 😉

Als es bei Ischgl flacher wurde, fand sich eine tolle Gruppe zusammen und ich war auf 5-Stunden-Kurs. Wir rasten im Eilzugtempo in Richtung letzte Verpflegung und Schlussanstieg. Mein Plan war, die letzte Verpflegung auch auszulassen. Ich hatte genug Trinken in den Flaschen, im Trikot war noch ein Riegel und ein Gel und es waren ab der Verpflegung eh nur noch 20 Kilometer bis ins Ziel. Mein Platz war zu dem Zeitpunkt etwas weiter hinten in der großen Gruppe und ich pedalierte auf dem kleinsten Ritzel. Gerade schimpfte ich meinen Vordermann, der sich ein Gel gedrückt hatte und die Verpackung einfach wegschmiss (und dazu gleich noch anderen Müll aus seiner Trikottasche) als die Straße leicht bergauf ging. Ich schaltete runter – und nix passierte… Mist!!! Dieses Problem hatte ich ein, zwei Mal vor dem Rennen bereits gehabt und nach ein paar weiteren Schaltversuchen bewegte sich der Schaltkäfig. Aber gerade heute passierte nix. Ich ging aus dem Sattel, schaltete wenigstens vorne runter und drückte bis zu Verpflegung durch. Die kam zum Glück nach wenigen Höhenmetern. Ich stieg vom Rad und fluchte vor mich hin. Panisch versuchte ich zu schalten, aber es ging nicht. Ein paar Zuschauer kamen mir zur Hilfe und versuchten zu helfen, aber keiner wusste Rat. Nach einer gefühlten Ewigkeit verzweifelter Schaltversuche, Wutanfällen und Phasen der Resignation funktionierte die Schaltung wieder. Ok – es waren wohl nur ein paar Minuten gewesen… 😉
Aber die Gruppe war weg und die Zeit um die 5 Stunden wohl auch. Ich schwang mich aufs Rad, wurde noch einmal von den Zuschauern angefeuert und stampfte in Richtung Ziel. Auf dem Weg dorthin waren nochmals ca. 400 Höhenmeter zu überwinden. Ich sammelte ein paar Fahrer ein, und zu dritt stürmten wir in Richtung St. Anton. Die Streckenführung wich ein paar mal von der Bundesstraße ab und führte durch ein paar kleine Dörfchen, eine angenehme Abwechslung zu der verkehrsreichen Hauptstraße. Wegen Bauarbeiten bis Ende des Jahres ist nämlich der Arlbergtunnel gesperrt und der Verkehr fließt über den Arlbergpass. Und so standen wir die letzten Kilometer vor dem Ziel im Stau. Ein nicht abreißender Strom Abreisender wälzte sich in Richtung St. Anton und weiter. Wir versuchten uns so gut es ging durchzuschlängeln, aber wirklich Tempo machen konnten wir jetzt nicht mehr.
Dafür gab ich im Zielsprint nochmals alles!

Nach einer Zeit von 5:08:54 war ich im Ziel – und damit viel früher als erwartet. Ich freute mich über meine Zeit und dass ich gut und gesund durchgekommen war. Und ich ärgerte mich ein wenig, dass ich nicht Sub 5 gefahren war. Es wäre vielleicht möglich gewesen (kein Regen, keine Panne, kein Stau). Aber hätte sich dadurch etwas geändert? Gewonnen hätte ich eh nicht und ob ich jetzt zehn Plätze weiter vorne gewesen wäre… Aber gut, ich kann ja wieder kommen. 😉

Bei der Zielverpflegung langte ich tüchtig zu. Wurst- und Käsebrötchen und total leckere Melone. Dazu ein paar Becher Cola und Energiedrinks und schon war ich wieder oben auf. Diane erreichte ich telefonisch beim Wandern und teilte meiner erstaunten besseren Hälfte mit, dass schon alles vorbei war. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir beim Wellnessen im Hotelpool und natürlich mit Kaffee und Kuchen.

Am Montag fuhren wir dann, ganz ohne Rückreiseverkehr, wieder nach Hause.

Fazit: Der Arlberg Giro ist ein tolles Event, das noch toller ohne den Verkehr gewesen wäre. Aber wie die Organisatoren beim Fahrerbriefing schon sagten – Straßensperrungen sind sehr teuer und aufwendig. Auf alle Fälle hatte ich viel Spaß und kann mir eine nochmalige Teilnahme durchaus vorstellen.

PS: Zu Hause fand ich dann heraus, warum die Schaltung blockierte:

Ein zerschlissener Schaltzug im Schalthebel war der Übeltäter – da hatte ich echt Glück, dass der Zug nicht komplett riss… 🙂

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