Allgäu-Cross 2018 – Etappe 2

Heute wartete die „Königsetappe“ auf mich – von den Eckdaten unterschied sich die Strecke gar nicht so sehr von den anderen. Ungefähr 50 Kilometer und ca. 1.600 Höhenmeter. Zudem hatte ich den ganzen Tag Zeit. Was machte diese Etappe also so besonders? Der Schrofenpass! Ein Übergang, der mir noch in meiner Sammlung fehlte und vor dem ich gehörigen Respekt hatte. Aber dazu später mehr…

Nach einem üppigen Frühstück checkte ich aus und startete in die zweite Etappe.

Schon nach kurzer Zeit verließ ich Riezlern und gewann an Höhe.

Ein letzter Blick zurück auf das Kleinwalsertal und den markanten Berg Ifen und weiter ging es Richtung Söllereck.

Auf dem Weg nach oben waren hier nun deutlich mehr Wanderer unterwegs, denn das Söllereck ist ein beliebter Berg bei Wanderern und Familien. Hier erlebte ich zum ersten Mal etwas, was ich bisher noch auf keiner Tour erlebte. Alle Wanderer die ich passierte feuerten mich an und fanden es bemerkenswert, dass ich auf einem richtigen Fahrrad, so ganz ohne Motor unterwegs war. Balsam für die Nicht-Ebiker-Seele.

Nach der Überquerung dieses Bohlenweges, auf dem zu der Zeit keine Wanderer unterwegs waren fuhr ich auf einem Schotterweg ins Rappenalptal ab.

Ich fuhr an der Talstation der Fellhornbahn vorbei und weiter auf der für den öffentlichen Verkehr gesperrten Straße. Hier ließ es sich sehr angenehm pedalieren und ich erreichte zügig die Schwarze Hütte.

Die kleine Alpe war die letzte Möglichkeit vor dem Schrofenpass, die Speicher aufzufüllen. Danach wurde es steil. Sehr steil.

Das Stück bis zur Speicherhütte war sicher einer der steilsten Anstiege, den ich im Sattel bisher bewältigt hatte. Ich musste nur eine kleine Verschnaufpause einlegen. Ebiker pedalierten locker an mir vorbei. Allerdings endete für sie der Weg an der kleinen, unbewirtschafteten Hütte.

Bekannt ist die Speicherhütte unter anderem auch für den Brunnen mit Getränken, doch dieser war leider leer. Zum Glück hatte ich in der Schwarze Hütte meinen Flüssigkeitsvorrat aufgefüllt.

Ein paar Meter waren nach der Alpe noch fahrbar, dann begann die Schieberei. Die motorisierten Biker blickten mir hinterher. Ob mit bewunderndem oder mitleidigem Blick konnte ich auf die Ferne nicht erkennen…

Hinter diesem Schild begann der eigentliche Weg zum Schrofenpass. Ich war nervös und gespannt…

Kurz amüsierte ich mich noch über diesen Biker, der sich mit seinem Leih-Ebike hier hoch verirrt hatte. Ohne Helm und mit mangelnder Fahrtechnik musste er den leichten, wenn auch etwas steileren, Schotterweg herunterschieben. Immer wieder versuchte er aufzusteigen, ließ es dann aber wieder sein. Ich fürchte, vor ihm lag noch ein langer Weg nach unten. Aber so ist es halt, wenn Leute sich mit Rädern in Regionen vorwagen, wo sie eigentlich ohne Motor nicht hinkommen…

Aber zurück zu mir. Ich erhöhte meine Konzentration und begann den Weg nach oben.

Zunächst war der Weg noch relativ einfach zu schieben, und ich dachte schon: Kein Problem – ich weiß gar nicht, was die alle haben. Allerdings hatte ich im Vorfeld Fotos und Videos gesehen, die mir eine ungefähre Ahnung von dem vermittelten, was noch auf mich zukommen würde. Und nach einer Felsnase offenbarte sich dann der Blick auf den berühmten Abschnitt dieses Übergangs…

OK – da musste ich also hinauf. Ich schnaufte kurz durch und ging weiter. Langsam, hochkonzentriert und den Blick auf den Weg, bloß nicht nach links in den gähnenden Abgrund.

Ich hielt mich an die Anweisung, auch wenn sie mir nicht wirklich viel Sicherheit gab.

Zusätzlich zu diesen Brücken kamen einige Felsstufen, über die ich das Rad drüber wuchten musste. Teilweise auf allen Vieren mühte ich mich ab. Für Außenstehende  wäre das sicher ein lustiger Anblick gewesen. Aber außer mir war zu dem Zeitpunkt niemand sonst unterwegs.

Für Fotos an den ganz ausgesetzten Stellen hatte ich nicht die Nerven, aber ich finde, dieses Bild zeigt ganz gut, was am Schrofenpass Sache ist. Ein unachtsamer Moment, ein Fehltritt und bestenfalls ist nur das Rad Klump und Brei…

Aber irgendwann war ich oben und der Weg wurde leichter. Ich brauchte nicht ganz eine Stunde. Eine Stunde Nervenkitzel.

Der Pass selbst ist relativ unspektakulär, ein verwittertes Schild macht auf den Grenzübertritt nach Österreich aufmerksam.

Der folgende Trail war leider nicht so der Bringer. Nur abschnittsweise war er fahrbar. Ständige Felsstufen und -riegel ließen keinen Flow aufkommen – und die Schuhe litten weiter. Apropos Schuhe – wie erwartet waren die Carbonsohlen für die Passage am Schrofenpass nicht ideal, aber es ging besser als befürchtet. Sollte ich ein weiteres Mal hier hoch müssen, wähle ich sicher bergtauglichere Schuhe.

Bei Lechleiteten wechselte ich für ein paar Kilometer auf Asphalt und darüber war ich echt froh. In einem Supermarkt in Warth füllte ich im Spar-Markt Getränke auf und gönnte mir eine richtige kalte Bananenmilch. Ich wähnte mich schon fast im Ziel. Theoretisch ging es ja nach der Passhöhe nur noch bergab – das stimmte aber nur bedingt…

Am Ortsende verließ ich die Passstraße und fand mich kurz darauf auf diesem wundervollen Trail oberhalb der Straße. Man erkennt hier ganz gut die Galerie. Durch die komme ich übrigens nächsten Sonntag, beim Highlander Radmarathon.

Dieser Trail und das Panorama am Hochtannbergpass entschädigten für vorhergegangene Mühen.

Ein letzter Stich vor dem letzten Trail des Tages quälte mich noch kurz, aber dann zeigte das Höhenprofil nur noch nach unten.

Da ich super in der Zeit lag, gönnte ich mir nun endlich eine zünftige Einkehr in einer urigen Alpe.

Die letzten Abfahrtshöhenmeter verliefen zunächst auf Schotter, bevor ich in Schröcken auf die Passtraße wechselte.

Mit Ankunft im Hotel Elisabeth in Schoppernau kippte das Wetter und eine Gewitterzelle richtete sich häuslich in der Region ein.

Das war mir aber egal, denn ich hatte mein Etappenziel trocken erreicht und für den folgenden Tag war wieder bestes Wetter gemeldet.

Unglücklicherweise musste ich doch noch einmal aus dem Haus, denn im Hotel gab es kein Restaurant und das angegliederte Restaurant auf der gegenüberligenden Straßenseite hatte Mittwochs leider Ruhetag. So musste ich noch einen kleineren Fußmarsch durch das gewittrige Schoppernau zurücklegen, um zu meinem verdienten Abendessen zu kommen. Glücklicherweise stellte das Hotel für solche Fälle einen Regenschirm.

Die Pizza im Tre Soli war auf alle Fälle super. Und während ich am Ende des Tages nach der Rückkehr ins Hotel dem immer noch aktiven Gewitter lauschte, betrachtete ich meine schönen, neuen Schuhe.

Zwei Tage alt und zehn Jahre gealtert…

Naja, morgen – so hoffte ich – kämen keine neuen Schiebepassagen mehr dazu. Müde und erschöpft fiel ich in einen unruhigen Schlaf…

Keep on Biking!

Allgäu-Cross 2018 – Etappe 1

Mit einer ordentlichen Verspätung startete ich in die eigentlich erste Etappe. Unter normalen Umständen sollte die Strecke mit 50 Kilometern und 1.700 Höhenmetern gut an einem Nachmittag zu bewältigen sein. Aber dank der unvorhergesehenen Ereignisse war ich jetzt 1,5h später dran und gut abgehetzt. Aber: Ich hatte ein paar neue Schuhe und ein neues Smartphone. Es konnte also losgehen.

Nach dem ersten schweißtreibenden Anstieg erfreute ich mich bereits am herrlichen Allgäuer Panorama.

Die ersten 10 Kilometer brachte ich gut Druck auf das Pedal, bevor der Anstieg zum Rangiswanger Horn die ersten Körner kostete.

Der Weg wurde immer steiler, der Untergrund gröber und die Sonne knallte. Des Öfteren musste ich kurz vom Rad und schieben. Dabei zeigte sich, dass die neuen Schuhe mit der Carbonsohle zum Laufen auf Geröll und Schotter nicht die erste Wahl waren… Wie sollte das bloß am Schrofenpass werden?

Kurz oberhalb der Rangiswanger Alpe überquerte ich einen kleinen Sattel, den ersten Übergang der Tour. Das Gelände war durchaus als alpin zu bezeichnen.

Ein eigentlich schöner Trail folgte, der auch gut fahrbar gewesen wäre. Allerdings kam mir ausgerechnet hier eine Herde Kühe entgegen. Dieser Gegenverkehr sorgte bei mir für einen weiteren Adrenalinaustoß. Weder die Kühe noch ich wussten so wirklich wer Vorfahrt hatte, und ich schob extrem behutsam an den Rindviechern vorbei. Überhaupt Kühe: Auf der gesamten Tour durchquert man ständig Kuhweiden. Man muss sich also auf viele Gatter (Bitte immer schließen!) gefasst machen. Auch auf Begegnungen mit den großen Vierbeinern und deren Hinterlassenschaften sollte man sich einstellen. 😉
Dafür trifft man, bis an den wenigen Hotspots (beliebte Almen, Bergstationen), auf relativ wenige Zweibeiner.

Das Bild oben zeigt die optimale Lösung: Ein Durchgang bei einem Weidezaun extra für Mountainbiker. Manchmal musste ich das Rad aber auch über Stacheldraht hieven, da der Durchgang für Räder zu klein war…

Ich ließ den Trail am Weiherkopf aus, da er nur wieder über eine sacksteile Rampe zu erreichen gewesen wäre und ich zu diesem Zeitpunkt einfach keine Lust und Nerven dafür hatte.

Am Etappenziel der offiziell beschriebenen Tour, dem Berghaus Schwaben, fuhr ich auch vorbei, da ich ja noch bis ins Kleinwalsertal weiter wollte.

Nach weiterem Auf und Ab erreichte ich den Riedbergpass, dieses mal von oben. Zweimal kam ich hier schon mit dem Rennrad vorbei. Letztes Jahr im Urlaub und 2016 bei Tannheimer Radmarathon. Heuer war ich froh, dass ich mich nicht die steile Passstraße hinaufquälen musste. 😉

Im weiteren Verlauf passierte ich den Schafkopf und gelangte auf den besten Trail der Etappe.

Perfekter Flow, tolle Landschaft – so muss ein Trail sein!

Der nächste Trail, runter zum Bergasthof Rohrmoos, war für mich leider unfahrbar, und die Schuhe litten weiter. Ohne Einkehr fuhr ich weiter. Nun konnte ja nicht mehr viel kommen, dachte ich mir, und ich wollte endlich am Ziel ankommen. Der Weg bis dahin wartete tatsächlich mit keinen weiteren technischen Schwierigkeiten auf, zog sich aber wie Kaugummi. Immer wenn ich glaubte, von nun an geht es nur noch bergab, plagte mich ein kleiner, aber fieser Gegenanstieg.

Doch schließlich blickte ich erleichtert auf das Kleinwalsertal – herrlich, wie es in der Abendsonne da lag. Die letzten Höhenmeter auf der Straße bis nach Riezlern spürte ich nicht mehr wirklich.

Puh – das war ein langer und aufregender Tag gewesen.

Dankbar nahm ich das gratis Willkommensgetränk des Hotels an. Ein Bier oder ein Prosecco -ich switchte auf ein alkoholfreies Bierchen um. Ein „echtes“ hätte mich direkt aus den Latschen geschossen… 😉

Der Riezler Hof war im übrigen der Sieger im Preis-Leistungs-Vergleich auf meiner Tour. Sehr zu empfehlen. Nettes Personal, schönes und günstiges Zimmer, und ein sehr gutes Restaurant im Haus!

Besonders hervorzuheben: Statt des von mir bestellten kleinen gemischten Eis zum Dessert wurde mir dieser Früchtebecher serviert – ohne Aufpreis! 🙂

Und mit diesem Bild der Riezler Kirche endet der Bericht der ersten Etappe.

Erschöpft fiel ich ins Bett und schlief tief und fest…

Keep on Biking!

Allgäu-Cross 2018 – die Anreise

Endlich wieder auf Tour gehen! Spontan ergab sich für mich die Möglichkeit, mal wieder alleine auf Tour zu gehen. Ich entschied mich, eine Tour aus der Zeitschrift MOUNTAINBIKE nachzufahren. Die Runde erfüllte alle Kriterien, die für mich wichtig waren: Nicht länger als drei Tage und An- und Heimreise musste mit dem Zug möglich sein.
Also buchte ich 2 Übernachtungen, nachdem ich die Strecke für meine Bedürfnisse etwas optimiert hatte – 3 Etappen, jeweils so um die 50 Kilometer. Die erste Übernachtung buchte ich im Kleinwalsertal, im Örtchen Riezlern. Die zweite Unterkunft würde in Schoppernau im Bregenzer Wald sein. Start und Ziel legte ich auf Sonthofen. Zu guter Letzt buchte ich die Zugfahrt. Die Hinfahrt startete am 31.07. morgens um 6.40 Uhr. Mit vier Umstiegen sollte die planmäßige Ankunft um 13 Uhr in Sonthofen sein. Somit hätte ich genug Zeit für die erste Etappe. Die Rückfahrt war für den 02.08. um 17 Uhr gebucht. Es wäre genug Zeit für die Schlussetappe und ich würde planmäßig um kurz nach 23 Uhr in Aschaffenburg ankommen. Auch das war vertretbar.

Ich stand also zeitig auf, frühstückte schnell, schnappte meinen Krempel und fuhr zum Bahnhof.

Natürlich nahm ich da schon den ersten Trail mit. 😉

Ich stieg in Aschaffenburg in den ersten Zug, der pünktlich abfuhr, und traf – Ralf, einen Mitstreiter des Projektes 500+. Er fuhr auf die Arbeit, ich in den Kurzurlaub. In Babenhausen stieg er aus. Ich fuhr nach Darmstadt weiter. Der Umstieg klappte ohne Probleme. Da es ein EC mit Bordrestaurant war, gönnte ich mir erst mal ein Käffchen.

Doch der EC verspätete sich immer mehr, und ich verpasste meinen Anschluss in Ulm. So hatte ich eine Stunde Zwangsaufenthalt. Diesen nutzte ich, um mir ein paar neue Radschuhe zu kaufen…

Im Zug nach Ulm bemerkte ich nämlich, dass sich mein rechter Radschuh auflöste. Also hetzte ich quer durch Ulm. Gar nicht so einfach, ein paar Radschuhe zu kaufen. Erst an der dritten Anlaufstelle hatte ich Glück… Der Radladen hatte im hintersten Lager noch ein paar Schuhe, die wenigstens passten.

Heiße Treter – 50% reduziert. Sonst wären sie nicht in meiner Preiskategorie gewesen. Auch für mein Vorhaben, mit sicheren Schiebe- und Tragepassagen, nicht die optimale Wahl mit der Carbonsohle. Aber was willste machen…

Im Zug nach Kempten montierte ich die Cleats um und entsorgte meine alten Schuhe. Dabei passierte die nächste Katastrophe. Als ich mich auf den Klappstuhl im Radabteil setzen wollte, klemmte dieser. Mit Gewalt versuchte ich diesen herunterzudrücken. Ein Knacken verhieß nichts Gutes:

Mein Handy war mir aus der Trikottasche gerutscht. Ich hatte ganze Arbeit geleistet – das Gerät war hinüber…

Ich musste also Ersatz beschaffen. In meiner Panik war ich bereits in Immenstadt ausgestiegen, um dort ein neues Smartphone zu erwerben. Meine Suche verlief allerdings erfolglos. Ich fuhr weiter. Im Expert in Sonthofen fand ich schließlich,was ich suchte. Es war mittlerweile 14.30 Uhr. Total gestresst und mit einem ordentlichen Betrag an nicht geplanten Zusatzkosten begann ich die Tour…

+++ Breaking News +++ Rhön 300 wurde abgesagt

Heute erfuhr ich aus dem Internet, daß eines meiner diesjährigen Saisonhighlights, Rhön 300, abgesagt wurde.

LIEBE RHÖN300-FANS!

Leider müssen wir Euch heute mitteilen, dass die Veranstaltung am 5. August abgesagt wird. Heute haben wir erneut weitere Sicherheitsauflagen erhalten, die nicht verhandelbar sind. Eine Stellungnahme erfolgt in den nächsten Tagen in der Presse und hier auf der Seite.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die sich als Helfer, Fahrer oder Supporter (an)gemeldet haben.

Ihr erhaltet auch die Information, in welcher Form ihr die Startgelder erstattet bekommt per E-Mail.

Herzliche Grüße

Das Team von RHÖN300

Zum Glück habe ich dieses Jahr schon eine Langstrecke hinter mich gebracht. Ich weiß im Moment auch gar nicht, ob ich traurig oder doch froh darüber sein soll…
Irgendwie fehlt mir im Moment der Ehrgeiz für so einen Streifen. Und eine Woche später stehe ich sowieso beim Highlander Radmarathon am Start. Ursprünglich hatte ich vor, meine Zeit von 2013 zu unterbieten. Damals benötigte ich 7h34m. Allerdings fürchte ich, dass ich dafür heuer schlicht zu schwer bin. So werde ich versuchen, einfach möglichst viel Spaß zu haben und die Fahrt zu genießen. Obwohl, vielleicht schiebt das Mehrgewicht bergab so gut, dass ich die 7,5h doch unterbieten kann? Wer weiß… 😉

Was kommt sonst noch in nächster Zeit? Überraschend fahre ich nächste Woche für drei Tage ins Allgäu und unternehme eine Tour, die ich schon lange auf meiner Agenda stehen habe – den Allgäu-Cross. 2010 dachte ich zum ersten Mal darüber nach. Tja, kaum gehen acht Jahre ins Land… 😉

Nach dem Highlander steht der Familienurlaub an, den wir auch wieder im Allgäu verbringen werden. Dieses Jahr werden wir alle unsere Bikes mitnehmen und ein paar schöne Familientouren fahren – falls die Kinder mitmachen… 😉

Und Anfang September fahren Diane und ich noch für ein paar Tage zum Biken nach Südtirol, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Überhaupt Biken: Das löst auf der Beliebtheitsskala gerade wieder Rennradeln etwas ab.

Was aber nicht heißt, dass ich nicht trotzdem mit dem Renner unterwegs bin.

Und mit den Kids bin ich auch noch „on Tour“. 🙂

In diesem Sinne – keep on Biking!

Die längste Tour meines Lebens

2018 – das Jahr der Superlative? Nachdem ich vor Kurzem die beste Tour meines Lebens mit meinem Sohn gefahren bin, folgte kurz darauf die längste Tour meines Lebens!

Anfang des Jahres wurde ich von einem Bekannten gefragt, ob ich nicht bei einer Fahrt von Aschaffenburg an den Königssee teilnehme möchte – an einem Tag. Nach kurzer Bedenkzeit und Rücksprache mit der Familie sagte ich zu. Bei einer Testfahrt zum Niederwalddenkmal lernte ich die übrigen Teilnehmer kennen. Die Testfahrt und die übrige Vorbereitung liefen sehr gut und der Termin kam rasch näher. Am 9.6.2018 war es soweit.

Am Abend des 7.6. gab ich meine gepackte Kiste für unterwegs ab. Wir hatten nämlich ein Begleitfahrzeug, in dem unsere wichtigen Dinge für unterwegs transportiert wurden. Verpflegung, Regensachen, Wechselklamotten, Powerbanks, Lampen und was man für so einen langen Tag benötigt.

Am 8.6. ging ich um 20 Uhr ins Bett und fand tatsächlich ein paar Stunden schlaf, bevor der Wecker mich um 1.15 Uhr weckte. Diane war mit den Kindern mittags schon losgefahren. Sie hatten sich dankenswerter Weise bereit erklärt, an den Königssee zu fahren, damit sie mich am Sonntag wieder mit nach Hause nehmen könnten.

20 Minuten vor 3 Uhr rollte ich nach Straßbessenbach, dem offiziellen Start und kurz vor 3 Uhr fuhren wir tatsächlich zu acht los. Das Abenteuer begann. Wir waren alle gut aufgeregt.

Nach einer halben Stunde, noch vor Rohrbrunn, erfolgte die erste Pinkelpause. Die Bedingungen für unser Unternehmen waren ideal. Es war trocken und die Temperaturen in der Nacht erträglich. Mit etwas Glück würde der Wind auf unserer Seite sein und Regen würde es, von ein paar Gewitterzellen abgesehen, nicht geben.

Es rollte gut und schnell hatten wir den Spessart überwunden. In der Dunkelheit bemerkten wir die Anstiege kaum. Bei Schollbrunn begann es schon leicht zu dämmern und wir freuten uns auf den Tag.

Im Taubertal war es dann soweit und der Tag brach an. Herrlich!

In Bad Mergentheim wartete an einer Tankstelle unser Begleitfahrzeug und wir machten die erste Pause.

Getränke Auffüllen, essen und trinken, Sonnencreme auftragen, Brille wechseln, Lampe abbauen – nach 15:30 Minuten fuhren wir weiter.

Die Stimmung war super und der Wind war tatsächlich auf unserer Seite. Mit einem ordentlichen Tempo durchfuhren wir das Taubertal.

Nach gut 6 Stunden Fahrzeit erfolgte die zweite Pause in Bechhofen. Die Distanzen zwischen den Pausen waren mit ca. 80 Kilometern, d. h. immer ungefähr 3 Stunden Fahrzeit, perfekt gewählt. Das war eine überschaubare Strecke. Hier ging es nach 14,5 Minuten weiter.

Der weitere Weg führte uns durch das landschaftlich wunderschöne Altmühltal. Ab hier machte ich weniger Fotos. In Eichstätt folgte die dritte Pause.

Es war nun schon gut warm und wir suchten den Schatten. Unser Netto-Schnitt war ordentlich. Allerdings wurden jetzt die Pausenzeiten länger, was aber angesichts der bisher zurückgelegten Strecke kein Wunder war. Knapp 24 Minuten blieben wir stehen.

Ab nun betrat ich Neuland, was die Kilometerleistung betraf. Knapp 300 Kilometer legte ich letztes Jahr schon einmal zurück, alles was nun kam toppte meine Leistung. Und ich war noch erstaunlich gut drauf. Dadurch, dass wir uns vorne immer abwechselten war es möglich, Körner zu sparen. Ich fühlte mich fit.

Der vierte Stopp war in Mainburg. Der Wind bis dahin war immer noch auf unserer Seite, aber vor uns baute sich eine Gewitterfront auf. Die Pausenzeit hier belief sich auf 26 Minuten. Wir hatten die Hoffnung, am Rande des Unwetters vorbeizufahren, aber es kam anders. Das Gewitter traf uns voll, und nach 1 Minute Starkregen waren wir komplett durchnässt. Wir suchten bei Brüg einen Unterstand und der herbeigerufene Begleitbus lieferte Regenklamotten. Dieser unfreiwillige Halt kostete uns 48 Minuten. Als es nicht mehr donnerte fuhren wir weiter. Ein paar Kilometer begleitete uns aber noch der Regen.

Nach 416 Kilometern und etwas über 14 Stunden reine Fahrzeit trafen wir bei der fünften und vorletzten Pause wieder unseren Bus. Wir mussten ihn allerdings wieder herbeirufen, da wir am eigentlichen Pausenort vorbeigefahren sind. Die Konzentration ließ nun schon etwas nach. Wir machten uns klar für die Dunkelheit. Lampen wieder an die Räder, etwas Wärmeres anziehen und die Regenjacken wieder zurück in den Bus legen. Es hatte glücklicherweise wieder aufgehört zu regnen. Nach 26 Minuten fuhren wir weiter.

Inzwischen war das Aufnehmen von fester Nahrung echt schwierig und ich war froh, dass ich mir den Hauptteil meiner benötigten Energie über Flüssignahrung zuführen konnte. Auf dem Rad griff ich auf Gels und Riegel zurück und in den Pausen gönnte ich mir jeweils eine schöne Flasche Fresubin. Diese hochkalorische Trinknahrung ist frei von Ballaststoffen und somit sehr schonend für den Magen. Ich vertrug sie sehr gut und hatte auf der ganzen Tour keine Magenprobleme, was bei so einer Belastung nicht unbedingt selbstverständlich ist. In den ersten Pausen aß ich noch Nutella- oder Schinken-Käse-Sandwiches, aber die gingen nun nicht mehr an mich. In den 3 Stunden auf dem Rad zwischen den Pausen trank ich jeweils 2 Trinkflaschen mit Buffer und in einer befand sich immer eine Salztablette. Ich glaube, mit der Verpflegung habe ich alles richtig gemacht.

Die Nacht kam und die Euphorie stieg. Wir waren nun sicher, dass wir es schaffen konnten. In Waging am See war der letzte Stop. Nochmals 19 Minuten. Wir hielten in der Nähe des Feuerwehrfestes und nicht wenige der vorbeikommenden Besucher staunten nicht schlecht, als sie uns sahen.

Und dann kam der Endspurt. Wir mussten nun super gut aufpassen. Zum einen wegen des Verkehrs in der Nacht, zum anderen wegen der Navigation. Wir leisteten uns ein paar „Verfahrer“, die wir aber schnell bemerkten. Und dann passierte es: Mein Garmin stieg aus. Es war nicht die Stromversorgung – die hatte ich mittels einer Powerbank gewährleistet. Nein, die Speicherkarte war voll. Das Gerät hatte sich vollkommen aufgehängt und ließ sich nicht mehr starten. Somit war auch die Aufzeichnung verloren. Ich hätte heulen können… Aber: Das Ziel war nun nicht mehr weit und ich beschloss, mich von dem Verlust der Aufzeichnug über die längste Fahrt meines Lebens nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Wichtig ist ja schließlich das Erlebnis und nicht ein paar Einsen und Nullen auf einem Speichermedium.

Gegen Ende mussten wir nochmals ein paar längere Anstiege bezwingen und die Abfahrten in der dunklen Nacht waren auch nicht ohne, aber schließlich standen wir nach 22 Stunden Gesamtzeit am Königssee.

Der Initiator überreichte uns als Überraschung eine Medaille und wir tranken am völlig verlassenen Bootssteg direkt am Königssee ein Finisher-Bierchen. Es war kurz nach 1 Uhr. Wir hatten es geschafft! Die Stimmung und das Gefühl sind schwer zu beschreiben, das kann nur jemand nachvollziehen, der etwas ähnliches schon einmal geschafft hat. Jeder schnappte sich nun seinen Krempel und verzog sich ins Hotel – endlich duschen!

Am nächsten Morgen trafen wir uns alle zum Frühstück. Es ging allen gut und die Laune war prächtig. Diane und die Kinder waren nun auch dabei. Sie hatten am Samstag einen schönen Urlaubstag verbracht und freuten sich auf den abschließenden Bootsausflug hinüber nach St. Bartholomä.

Ein würdiger Abschluss. 🙂

Die Daten, ohne GPS:

Und hier der Track, von einem Mitfahrer aufgezeichnet:

Fazit: Was soll ich als Fazit schreiben? Ok, vielen Dank fürs Fragen, ob ich mitfahre, vielen Dank an die Orga, an das Team, an den Fahrer des Begleitfahrzeuges, und überhaupt danke, danke, danke. Auch vielen Dank an meine liebe Familie, ihr seid die Besten!

Tja, und sonst? Ich habe es geschafft. 530 Kilometer sind kein Problem. Was kommt jetzt??? 😉