Alpencross 2013 – Auf dem Max-Weg von Füssen nach Brannenburg/Inn – Tag 3

Tag 3 (Donnerstag, 05.09.2013): Scharnitz – Jachenau

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An diesem 3. Tag erreichte ich mit ca. 1800 Meter den höchsten Punkt der Tour. Von Scharnitz aus fuhr ich nach einem ausgiebigen (und wieder schnellen) Frühstück durch das wunderschöne Karwendeltal in Richtung Karwendelhaus. Gut, dass sich die Zeiten auf den Hinweistafeln an Wanderer richten. Denn fünf Stunden wollte ich auf den Hochalmsattel eigentlich nicht brauchen. Dennoch warteten knapp 850 Höhenmeter zum Aufwachen und Warmfahren auf mich. Und das war gut so, denn im Schatten lag die Temperatur teilweise bei 7°C. Fast 30°C kälter als mittags… 😉

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Die gelbe Linie beschreibt meine Strecke – eine Einkehr im Karwendelhaus war nicht geplant.

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Das Karwendeltal ist wirklich eines der schönsten Täler, dass ich bisher gefahren bin – zumindest auf dieser Tour. Leider wurde das schöne Erlebnis wieder etwas eingetrübt. Und zwar kurz bevor ich den Sattel erreichte. Am Ende des Tals warteten einige Serpentinen auf mich, die zum Hochalmsattel bezwungen werden wollten. Ich überholte einige Freizeitradler und sah bei einem Blick nach hinten zwei weitere Biker ein paar Kurven weiter unten. Vor denen werde ich es schon noch schaffen, dachte ich mir. So kurbelte ich in meinem Tempo weiter. Ich blieb auch mal stehen um ein paar Fotos zu schießen. Kurz überlegte ich, zum Karwendelhaus abzubiegen, aber für eine Rast war es noch zu früh am Tag. Auf dem gut ausgebauten Schotterweg fuhr ich weiter und sah schon den höchsten Punkt. Da hörte ich es hinter mir surren… Als ich mich umdrehte waren sie auch schon am Überholen. Die zwei Biker hatten mich eingeholt. Zusammen hatten die beiden Damen locker 140 Jahre auf dem Buckel. Das Tempo, dass sie mit ihren E-Bikes vorlegten war atemberaubend. Kurz überlegte ich, hier die Tour und meine Radkarriere zu beenden, entschied mich dann aber doch zur Weiterfahrt. Schließlich werde ich in 30 Jahren auch 30 Jahre jüngere Biker mit meinem E-Bike schocken… 😉

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Letztlich konnte ich dann doch das Panorama und einen Riegel genießen. Bei einer etwas längeren Verschnaufpause machte ich mir Gedanken über den weiteren Weg hinab zum kleinen Ahornboden. Auf der Karte hatte ich mir den Trail herausgesucht. Aber ein explizites Verbotsschild und eine Vielzahl Wanderer, die bei diesem herrlichen Wetter unterwegs waren, ließen mich auf die Schotterpiste ausweichen. Das war jedenfalls der offizielle Biketrail. Auf Diskussionen mit evtl. nicht verständnissvollem Fußvolk hatte ich keine Lust. Grob geschottert, steil und mit vielen engen Kurven war dieser Weg jedenfalls nicht ganz unanspruchsvoll. Ein paar Kehren weiter unten zweigte ein weiterer Trail ab. Aber ich schenkte einer englischsprachigen Wanderin glauben, die mir von einer Befahrung abriet. Sie erweckte den Eindruck, so etwas beurteilen zu können.

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Glücklicherweise fand ich dann doch noch ein paar Trailkilometer bis hinab ins Rißtal. Diese waren jedenfalls nicht mit Schildern als gesperrt gekennzeichnet.
Ein weiterer Trail endete leider im Flußbett des Johannisbach. Der folgende Verlauf wurde wohl bei einem Hochwasser hinweg gespült. Ich verdaddelte etwas Zeit bei der Suche nach einer Fortsetzung – erfolglos. So fuhr ich auf dem normalen Weg oberhalb der Klamm hinab ins Rissbachtal.

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Inzwischen war ich gut hungrig und meine Trinkflaschen hätten ebenso eine Füllung vertragen. Ich bog auf die Straße nach rechts in Richtung großer Ahornboden ab. Dort lag der Alpengasthof Eng, der mir von früheren Aufenthalten bestens bekannt war. Ich radelte an der Graberlalm vorbei. Dabei realisierte ich, wie weit es noch wäre. Bei meiner bisher zurückgelegten Strecke, der fortgeschrittenen Tageszeit und dem noch bevorstehenden Stück entschied ich mich für einen Aufenthalt in der Graberlalm.

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Eine gute Entscheidung – alkoholfreies Weizen, Speckbrot, Mohnkuchen und Kaffee peppelten mich soweit wieder auf, dass ich meine Fahrt fortsetzen konnte. Viel kommt ja jetzt nicht mehr, dachte ich mir. Weit gefehlt. Von der Isar wehte ein gerade so starker Wind das Rissbachtal hinauf, das ich stetig pedalieren musste, um nicht bergab stehen zu bleiben. Das war schon mal sehr lästig und ich war froh, nicht bis in die Eng hinauf gefahren zu sein. Am Ende des Tals wechselte ich auf die Mautstraße in Richtung Wallgau. Für Fahrräder ist diese kostenfrei.

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Dank der Maut ist die Straße erfreulich wenig frequentiert. Lediglich ein paar Motorräder und einige Renn- und Reiseradler begneten mir. Irgendwo auf der Hälfte der Strecke nach Wallgau zweigte meine Route nach rechts ab. Ein kleiner Buckel noch, dann eine Abfahrt zum Walchensee und schon bin ich in der Jachenau. Toll!

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Der kleine Buckel, der Hochkopf, zeigte allerdings Zähne. Eine herrlich sonnige Südlage ließ das Thermometer auf über 30°C steigen. Und mich teilweise ab vom Rad. 😉 Zu allem Überfluss verfranzte ich mich noch etwas auf dem Gipfel. Endlich kam die Abfahrt. Ich war schon etwas genervt und gut fertig, aber nun ging es ja bergab. Aber irgendwie stimmte etwas nicht. Das Fahrgefühl wurde zunehmend schwammiger. Der Daumentest brachte es ans Licht – platt am Hinterrad. Super…

Tief durchatmen. Rad ausbauen, Schlauch inspizieren, wechseln oder flicken – eigentlich Routine. Ich baute also das Laufrad aus und zog den Schlauch von der Felge. Mittels etwas Spucke konnte ich die Schwachstelle am Schlauch ausmachen. Die Verklebung des Latexschlauches hielt nicht mehr dicht. Das hatte ich schon einmal. Ein paar selbstklebende Flicken sollten reichen, um das Leck abzudichten. Ich brauchte fast meinen ganzen Vorrat auf. Im Schweiße meines Angesichts pumpte ich den Reifen wieder auf, baute das Rad wieder ein und fuhr weiter. Yippie – Abfahrt! Die Freude währte nur kurz. Ein fieser Gegenanstieg und ein erneuter Luftverlust ließen mir neben der Anstrengungs- nun auch die Zornesröte ins Gesicht steigen. Also hielt ich wieder an, baute das Laufrad wieder aus und begutachtete den Schlauch. Natürlich hatten die Flicken nicht gehalten. „Also wechsele ich halt doch den Schlauch“ , dachte ich mir. Zum Glück hatte ich in Füssen einen neuen Latexschlauch gekauft. Ich kramte den Schlauch aus dem Rucksack, packte in aus – und bekam einen mittleren Tobsuchtsanfall in dessen Verlauf ich den Schlauch samt der Verpackung in die Pampa feuerte. Der Grund – ich hatte statt einem Schlauch mit Sclaverandventil einen mit Autoventil gekauft. Kurz darauf bereute ich meine Unbeherrrschtheit. Zum einen wegen der Umwelt. So etwas widerstrebt mir normalerweise völlig – etwas einfach so in die Natur zu werfen. Zum anderen hätte ich bloß die Luftpumpe mit wenigen Handgriffen umbauen können und auch die Verjüngung an der Felge hätte sich einfach lösen lassen. Ein Blick in die Richtung des Schlauch-Weitwurfes sagte mir aber: Der ist fort.
Gott sei Dank hatte ich einen herrkömmlichen Butylschlauch in der Satteltasche. Schon seit Jahren… Ich betete, dass der noch in Ordnung war. Er war es und kurz darauf setzte ich meine Fahrt fort. Wenigstens die Aussicht war schön.

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Ohne weitere Zwischenfälle und Experimente erreichte ich den heutigen Zielort Jachenau und meine dortige Residenz – den Gasthof Jachenau. Die Zeit bis zum Abendessen überbrückte ich mit etwas Internetrecherche. Ich wollte wissen, ob auf meinem weiteren Weg, idealerweise hier in der Nähe, die Möglichkeit bestand, meinen auf null geschrumpften Ersatzschlauchbestand aufzubessern. Tatsächlich, wenige Kilometer weiter in Jachenau Bäcker fand ich, wonach ich suchte. Nach kurzer telefonischer Rücksprache schwang ich mich auf mein Rad und besorgte zwei neue Butylschläuche. Damit fühlte ich mich jetzt wieder sicherer. Im Übrigen war der sehr ausführliche Smalltalk mit dem Inhaber von der Sorte, von dem man sich nur schwer loseisen kann… 😉 Wer mal in der Jachenau in die Verlegenheit kommt, einen Schlauch zu benötigen – hier werden sie geholfen: Münsinger Radl-Ladl.

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Es folgte ein ausgezeichnetes Abendessen und eine ruhige, erholsame Nacht. 🙂

Etappe 3

Fahrzeit: 05:19:53
Kilometer: 74,17 km
Durch. Geschw.: 13,91 km/h
Max. Geschw.: 48,96 km/h
Höhenmeter: 1514 m
Rad: Stevens Glide ES

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Keep on biking!

3 Gedanken zu „Alpencross 2013 – Auf dem Max-Weg von Füssen nach Brannenburg/Inn – Tag 3

  1. Aber, aber Thorsten, wo bleibt da die Gelassenheit. Bei diesem Wetter und der tollen Natur will man sich doch nicht über Plattfüsse und E-Bikes aufregen. 😉 Spass beiseite, bei solchen Touren scheinen mir herkömmliche robustere Schläuche doch sinnvoller. Bin auf die weiteren Etappen fespannt, tolle Berichte!

  2. Bin ja über mich selbst erschrocken… 😉 Hatte eigentlich immer gute Erfahrungen mit den Latexschläuchen gemacht. Aber wenn mal der Wurm drin ist…

  3. Pingback: The Corona Diary – Biken in Zeiten von Corona – Der Urlaub im Karwendel – Hike 7 | MTB-Blog

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